Das Projekt

Wir möchten mit diesem Projekt die beiden wichtigsten politisch-satirischen Zeitschriften des vergangenen Jahrhunderts möglichst vollständig verfügbar machen. 

Beide Zeitschriften, die „Jugend“ und der „Simplicissimus“, waren populäre Wochenschriften, die sich als zeitkritisch verstanden; beide publizierten Beiträge zu Kunst und Kultur – was den Begriff der politischen Kultur mit einschließt – und kommentierten zugleich das Zeitgeschehen aus der Perspektive der unmittelbaren Zeitzeugenschaft. So bieten sie uns historisches Quellenmaterial mit unerschöpflichem Detailreichtum.

Allein quantitativ betrachtet wird dieses Quellenmaterial jedoch bald allzuschwer überschaubar. Mit Rücksicht darauf und um dem historisch interessierten Benutzer nicht nur eine „unorganisierte“ Lektüre zu erlauben, wurden für die Zeitschriften inhaltlich vollständig erschlossen. Alle erwähnten Personen, Geographika und Institutionen, historisch bedeutsame Ereignisse und auch, in vertretbarem Umfang, thematische Stichworte wurden in einem Schlagwörterverzeichnis (oder „Thesaurus“) versammelt, das einen direkten Zugang zu den betreffenden Textstellen erlaubt.
Umso notwendiger erscheint diese Erschließungsarbeit, als beide Zeitschriften das Genre der Bildsatire bedienen, deren Besonderheit gerade darin liegt, daß „das Gemeinte“ selten nur beim Namen genannt wird, sondern zumeist umschrieben oder chiffriert, indirekt oder nur durch Andeutung zur Sprache oder ins Bild kommt. Um diese Erwähnungen zu erfassen, wurden bei der Verschlagwortung stets auch verdeckte Nennungen expliziert.
Dieses Verfahren verläßt die eigentlich positivistische Erschließung, wie sie üblich und meist hinreichend ist. Die Projektbearbeiter möchten deshalb ausdrücklich darauf hinweisen, daß die Verschlagwortung aus einem Verstehensprozeß erwachsen ist und mithin nicht frei sein kann von persönlichen Wertungen oder Akzentuierungen. Natürlich gilt dies auch für das Glossar, das den Schlagwörtern als Begriffserklärung beigegeben ist.

Umgekehrt soll die Verschlagwortung auch wie ein Kommentar oder eine Erläuterung zu benutzen sein, d.h. zum Beispiel das Erkennen einer karikierten Figur zu ermöglichen oder über die Themenstichwörter eine historisch schwerverständliche Anspielung zu erkennen. Damit ist allerdings ein Anspruch formuliert, der eigentlich nur durch vollständiges Erfassen und Auflösen aller Anspielungen einzulösen ist. Ob und inwieweit dies gelingt, wird sich erweisen müssen.

Jedenfalls bittet die Redaktion, nicht nur im Falle einer notwendigen Korrektur, sondern auch bei sinnvoll erscheinenden Ergänzung um eine Kontaktaufnahme – die Bearbeiter sind in jedem Falle für solche Hinweise dankbar und sagen schnellstmögliche Reaktion zu.

Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen, auch sind solche für keinen zukünftigen Zeitpunkt geplant. Urheberrechte wurden nach bestem Wissen und Gewissen respektiert. Sollte eine unwillkürliche Verletzung solcher Rechte unterlaufen sein, so bitten die Projektverantwortlichen um Mitteilung, - der entsprechende Beitrag wird dann unverzüglich maskiert.

Projektbeteiligte:

  • Dr. Michael Knoche, Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB), Klassik Stiftung Weimar
  • Prof. Dr. Axel Gellhaus, Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte, RWTH Aachen, Fachbereich 7
  • Prof. Dr. Hans Otto Horch, Lehr- und Forschungsgebiet Deutsch-jüdische Literaturgeschichte, RWTH Aachen, Fachbereich 7
  • Jutta Bendt, Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA)
  • Dr. Maria Effinger (Universitätsbibliothek Heidelberg)
  • Dr. Hans Zimmermann, Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Projektbearbeiter)

 

Die Digitalisierungsvorlagen:
Als Vorlage für die Digitalisierung des „Simplicissimus“ stand ein Exemplar des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA) zur Verfügung, das offenbar zum überwiegenden Teil dem Redakteur und Schriftleiter Hans Erich Blaich (alias Dr. Owlglaß) als Redaktionsexemplar gedient hat. Einige Ausgaben, die hier präsentiert werden, dürfen als Unikate, zumindest als Raritäten gelten. Die wenigen Fehlstellen sowie einige Sondernummern wurden aus den Beständen der HAAB Weimar ergänzt. Den äußerst seltenen Kriegsjahrgang 1944 hat die Bayerische Staatsbibliothek zur Verfügung gestellt.

Für die „Jugend“ konnten wir auf die Digitalisierungen des Kooperationspartners, der Universität Heidelberg, zurückgreifen. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, daß einige Kunstdrucke, vor allem Titelblätter, einer elektronischen Nachbearbeitung (entgilben, glätten etc.) unterzogen wurden, um Verständnis für die Wirkung zu erwecken, die eine seinerzeit als hochmodern anzusehende Drucktechnik auf den zeitgenössischen Leser gehabt haben muß. Einwände gegen ein solches Eingreifen sind gewiß berechtigt, und wir bitten, im Zweifel über die Authentizität des hier Dargebotenen die Publikation der UB Heidelberg (hier) zu Rate zu ziehen.

In Teilen wurde die "Jugend"-Ausgabe aus der Privatsammlung von Jürgen Gutsch (München) ergänzt und aufgefrischt – wir sind ihm für seinen ehrenamtlichen und selbstlosen Einsatz aufrichtig verbunden.

Die Präsentation der „Jugend“ muß zur Zeit noch als „work in progress“ verstanden werden. Die noch in Bearbeitung befindlichen Teile sind als solche gekennzeichnet.

Stand: April 2012

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